Rodan - Die fliegenden Monster von Osaka

Sora No Daikajiu Radon (= Riesenmonster am Himmel) / Rodan 

Japan 1956 (Deutschland 1958)

Regie: Inoshiro Honda
Produktion: Toho Company Ltd / Tomoyuki Tanaka
Buch: Takeshi Kimura / Takeo Murata
Kamera: Isamu Ashida
SpFX: Eiji Tsuburaya
Musik: Akira Ifukube
Darsteller: Kenji Sahara (Shigeru)
    Yumi Shirakawa (Kiyo)
   Akihiko Hirata (Dr. Kashiwagi)
    Akio Kobori (Polizeichef Nishimura)
   Yasuko Nakata (Junge Frau)
   Kiyoharu Ohnaka (Junger Mann)
   Monosuke Yamada (Bergwerksdirektor Ohsaki)
   Yoshifumi Tajima (Reporter)
   Haruo Nakajima (Radon)
Originallänge: 79 min
Deutsche Länge: 73 min
Filmverleiher: RKO / RCS Film / Alhambra Filmverleih
Video: Starlight (Cut)
DVD: MAWA Cine Plus VCL (Cut)
Beschlagnahmt:     
Handlung: In einem Bergwerk in der Nähe von Kyushu heulen Alarmsirenen. Ein Stollen ist überflutet. Als Ingenieur Shigeru mit einem Bergungstrupp an den Ort der Katastrophe eilt, steht er vor der völlig entstellten, blutüberströmten Leiche eines Bergmanns. Der Tatverdacht fällt auf einen anderen, auf den jähzornigen Goro. Nur Shigeru glaubt an Goros Unschuld; er ist nämlich in Goros Schwester Kiyo verliebt. Bei einer späteren gründlichen Untersuchung des Stollens stoßen die Männer auf Goros Leiche und - auf gepanzerte Riesenlarven (Meganurons). Soldaten werden mobilisiert und greifen die Urzeitinsekten mit Maschinengewehren an. In dem Getümmel und einem anschließenden Beben verschlägt es Shigeru weiter in den Stollen, in eine riesige, unbekannte Höhle. Was er sieht, ist so schrecklich, dass er das Bewusstsein verliert. Als er in einem Krankenhaus wieder zu sich kommt, kann er sich an nichts mehr erinnern - bis, ja, bis sein Blick nach draußen auf ein Vogelnest fällt. Noch einmal durchlebt er das Trauma des Unglückstages: Ein gigantisches Ei ist in der Höhle gewesen, und aus dem Ei ist ein urzeitliches Flugungeheuer geschlüpft, das die überall herumkrabbelnden Insekten verschlungen hat. Mit Hilfe des Wissenschaftlers Dr. Kashiwagi wird der Flugdrache als Pteranodon identifiziert, jedoch mit der unglaublichen Flügelspannweite von annähernd zweihundert Metern und einem Gewicht von hundert Tonnen! Kashiwagi nennt diese Art Radon, ein deutlicher Hinweis darauf, dass Radioaktivität im Spiel ist. Entsprechend erfassen Radarschirme ein unbekanntes Flugobjekt, das sich mit zweifacher Schallgeschwindigkeit am fernöstlichen Himmel bewegt. Wenig später wird die Stadt Sasebo dem Erdboden gleichgemacht. Der reichlich stürmische Wind, den das Ungeheuer mit seinen Flügeln erzeugt, deckt Hausdächer ab und lässt Fahrzeuge wie Spielzeug durch die Straßen purzeln. Im selben Moment erscheint ein zweites Pteranodon, ebenso urgewaltig wie das erste. Wissenschaftler und Militärs rechnen mit dem Nestinstinkt der Tiere, lokalisieren ihre Brutstätte am Rande eines Vulkans (Mt. Aso) und nehmen sie mit Raketen unter Beschuss. Als die Pteranodonten zu entkommen versuchen, bricht der Vulkan aus: einer der Flugdrachen stürzt in die Lava, der andere, der allein keine Lust mehr hat, macht es dem erste nach. Sie mussten, resumiert der fassungslos zusehende Shigeru pathetisch, sie mussten gemeinsam sterben, weil keiner allein weiterleben wollte. Ich zweifle, ob ich, ein Mensch des 20. Jahrhunderts, je hoffen könnte, so zu sterben.
Fazit: Eine zeitgenössische deutsche Rezension: Aus der länger werdenden Reihe der Filme, die es für unterhaltsam halten, uns mit absurden Phantasiebildern von utopischen Menschheitsbedrohungen womöglich um den Schlaf zu bringen, ragt der vorliegende durch besonders unsinnige Einfalle hervor. Die Trickspezialisten des japanischen Films belehren uns bei dieser Gelegenheit darüber, dass sie ihren amerikanischen Kollegen in nichts nachstehen. Was sie an Modelltechnik vorzeigen, ist allerhand, nur geschieht das im Dienste eines lächerlichen Drehbuchs, das solche Anstrengungen mitnichten lohnt. (Film-Dienst Kritik Nr. 6903/ Ausgabe 1. Mai 1958) Die beiden Radons sind zwar auch Produkte der Bombe, aber darum - so hat es den Anschein - geht es diesmal nur am Rande. Die Filmemacher bringen ihnen gegenüber sogar sentimentale Empfindungen auf, weil es allein der Zufall will, dass diese urtümlichen Riesenvögel in der Welt der kleinen Menschen deplaciert wirken und fast schon mit Bedauern beseitigt werden müssen. Honda: Monster sind tragische Wesen. Sie sind nicht böse aus freiem Antrieb. Sie sind zu groß, zu stark, zu schwer: Das ist ihre Tragödie. Sie greifen die Menschheit nicht vorsätzlich an, sondern verursachen nur ihrer Größe wegen Verwüstungen und menschliches Leid; darum muss sich der Mensch gegen sie zur Wehr setzen. Nach mehreren Geschichten dieser Art beginnt das Publikum sogar Sympathie für die Monster zu empfinden, ja, es gibt den Monstren sogar den Vorzug. Wie schon Godzilla wurde auch Radon von Haruo Nakatima gespielt bzw. geflogen: Die Flügel kontrollierte ich mit meinen Armen. Als wir die Szene drehten, in der Radon über die Brücke in Saikai Village in Kyushu flog, riss die Aufhängung, an der ich hing. Ich fiel acht Meter, aber die Flügel und das Wasser unter mir, das einen halben Meter tief war, bremsten den Aufprall. Erster Regie-Assistent war Jun Fukuda. Er fühlte sich wie ein Blinder unter Blinden, weil er Tsuburayas Entwürfe und darum auch die Art der Bedrohung nicht kannte: Die Außenaufnahmen waren hart, die Massenszenen waren hart. Aber noch härter waren die Aufnahmen im Bergwerk, besonders als der Stollen geflutet wurde.