Frankenstein - Der Schrecken mit dem Affengesicht

Furankenshutain Tai Chite Kaiju Baragon

(= Frankenstein gegen das unterirische Monster Baragon)

Frankenstein Conquers The World

Japan 1965 (Deutschland 1967)

Regie: Inoshiro Honda
Produktion: Toho Company Ltd / Tomoyuki Tanaka / Henry G. Saperstein / Reuben Bercovitch
Buch: Kaoru Mabuchi (Takeshi Kimura)
Kamera: Hajime Koizumi
SpFX: Eiji Tsuburaya
Musik: Akira Ifukube
Darsteller: Nick Adams (Dr. James Bowen)
    Kumi Mizuno (Dr. Sueko Togami)
   Tadao Takashima (Dr. Kenchiro Kawaji)
    Koji Furuhata (Frankenbsteins Geschöpf)
   Yoshio Tsuchiya (U-Boot-Offizier)
   Yoshifumi Tajima (U-Boot-Kommandant)
   Takashi Shimura (Arzt)
   Jun Tazaki (Truppenbefehlshaber)
   Susumu Fujita (Polizeipräsident)
   Hisaya Ito (Polizeioffizier)
Originallänge: 95 min
Deutsche Länge: 87 min
Filmverleiher: Constantin Film / Splendid Film
Video: Bootleg (Cut) 
Beschlagnahmt:     
Handlung: Aus einem Schloss-Labor bei Frankfurt am Main wird gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eine versiegelte Kiste nach Japan verschifft. Als es zur Übergabe auf offener See an ein japanisches Unterseeboot kommt, wird das deutsche Tauchboot erfolgreich bombardiert. Bei der Untersuchung des Inhalts in einem medizinischen Institut in Hiroshima stellt der leitende Arzt fest, dass es sich um das lebendige Herz von Frankenstein handelt. Wenige Augenblicke später kommt alles Leben in Hiroshima zum Stillstand: die Atombombe! Jahre später hören der Mediziner Dr. James Bowen und seine japanische Assistentin Dr. Sueko Togami, die Atombombenopfer behandeln, von einem halbwüchsigen, völlig verwilderten Jungen, der sich in den Ruinen des Laboratoriums herumtreibt. Die Leute erzählen, dass er sich von streunenden Hunden, Katzen und Hühnern ernährt. Es gelingt den Wissenschaftlern, das Zutrauen des Jungen zu gewinnen und ihn im Institut unter Beobachtung zu stellen, wo er einen Riesenkohldampf entwickelt. So wird aus dem Knaben langsam ein Riese, was allseits verwundert. Ein Gespräch mit einem Fachkollegen, den Bowens Mitarbeiter Kenchiro Kawaji in Frankfurt aufsucht, bringt letzte Klarheit: Bei dem Atomblitz wurde das unsterbliche Herz von Frankenstein, das die Fähigkeit hat, sich selbst zu reproduzieren, radioaktiv bestrahlt und aus dieser Kombination wuchs ein Riese. Ein Blitzlichtgewitter, das von neugierigen Reportern veranstaltet wird, verschreckt den Frankenstein-Jungen so sehr, dass er aus seiner Zelle ausbricht und nur eine Hand zurücklässt, die in der Stahlmanschette, die ihn fesselte, hängen blieb. Auch sie lebt, in einer Eiweißlösung, weiter und da Frankenstein ja extrem reproduktionsfähig ist, wird sie ihm schnell nachwachsen. Der Knabe, bald dreißig Meter hoch, verkriecht sich in den Wäldern unterhalb des Fudschijama. In den folgenden Wochen wird die japanische Öffentlichkeit von beängstigenden Nachrichten über Verwüstungen und Zerstörungen beunruhigt, die Frankenstein angelastet werden. Tatsächlich ist hier für ein durch Erdbeben aus seinem Schlaf geschrecktes Riesenreptil namens Baragon verantwortlich, das sich unterirdisch fortbewegt. Schon bald kommt es zur unvermeidlichen Konfrontation der beiden Giganten, aus der Frankenstein als Sieger hervorgeht. Doch auch sein Untergang ist programmiert.
Fazit: In diesem Stück endlich fand Willis O'Briens aus KINGU KONGU TAI GO]IRA (1962) verbannter Frankenstein-Riese eine neue Verwendung sowie einen neuen amerikanischen Koproduzenten. Henry G. Saperstein, ein früherer Kinobesitzer, hatte 1959 die einstmals renommierte und mit Preisen überhäufte, aber zu der Zeit vom Konkurs bedrohte Zeichenfilmfirma UPA erworben, um neue Lmited-Animation-Serien fürs Fernsehen zu produzieren. Bald begann sich Saperstein auch für Realfilme zu interessieren. Seine Vertreter kamen und berichteten ihm, die Sender wollten unbedingt Action-Filme haben, bevorzugt Science-Fiction und Monster. Saperstein zog Erkundigungen ein, wer die beste Monsterware lieferte. Man nannte ihm Hammer in London und Toho in Tokio. Saperstein war Hammer-Chef James Carreras begegnet und hatte kein Interesse, ausgerechnet mit ihm in Verhandlungen zu treten. Also sah er sich einen Godzilla-Film im Toho La Brea in Los Angeles an und trat dann, unter Umständen vermittelt durch den Verleiher American-International Pictures, mit der Toho in Kontakt. Es wurde erst einmal ein Vertrag über drei Filme geschlossen, der nicht nur die Auswertung der Streifen in Amerika durch Saperstein vorsah, sondern auch, dass er sich aktiv an der Produktion beteiligte, indem er einen amerikanischen Star lieferte, um die Verleihchancen im Westen zu erhöhen. Saperstein dachte zuerst an David (Dr. Kimble) Janssen. Als der ablehnte, fiel die Wahl auf Nick Adams, der als Nebendarsteller für einen Oscar nominiert worden und in der Fernsehserie THE REBEL zu sehen war. Adams war auch gerade an der Seite von Ex-Frankenstein Boris Karloff in einem angloamerikanischen Gruselfilm der American-International Pictures (DIE MONSTER) aufgetreten und hatte sich angeblich von dem Altstar für seine künftigen Aufgaben in Japan gute Ratschläge geben lassen. Adams, ein großer Fan der Filme von Akira Kurosawa, war geradezu enthusiastisch, als er erfuhr, er würde mit Kollegen und Schauspielern dieses Meisterregisseurs arbeiten. Entsprechend populär war er bei den japanischen Filmemachern. Besonders freundschaftliche Bande unterhielt er zu Yoshio Tsuchiya, der eine wichtige Rolle in den SIEBEN SAMURAI hatte. Adams soll Tsuchiya sogar gebeten haben, für die japanische Synchronisation seiner Rolle Toshiro Mifune zu bitten, worauf Tsuchiya gelächelt haben soll: Gern, aber nur, wenn ich in Amerika von Henry Fonda gesprochen werde.  Eine Liaison ganz anderer Art war die zwischen Adams und Kumi Mizuno, einer Darstellerin, für die auch Honda höchsten Respekt hegte. In den USA wurde der erste Saperstein-Toho-Film als FRANKENSTEIN VS. THE GIANT DEVILFISH annonciert. Um so erstaunter waren amerikanische und auch deutsche Kinobesucher, als sie trotz entsprechender Aushangfotos keinen Riesenkraken zu Gesicht bekamen. Ganz gelöst ist das Rätsel immer noch nicht. Eine Sequenz mit einem Riesenkraken wurde zwar sehr wohl gedreht, aber er wird in der japanischen Fassung nur wenige Minuten und ganz am Schluss mit der nach Hiroshima-Einfluss auf Monstergröße angewachsenen Frankenstein-Kreatur konfrontiert. Der Hauptgegner ist ein unterirdisches Monstrum namens Baragon. Der Baragon-Anzug wirkt ganz so, als sei er in großer Hast fabriziert. Teruyoshi Nakano meint sich zu erinnern, dass der Oktopus auf Wunsch der Amerikaner eingefügt worden sein soll. Aber ausgerechnet die haben ihn nicht verwendet, sondern entschieden sich für einen anderen Ausgang: Anstatt nach seinem Sieg über Baragon von dem Oktopus in die Fluten gezogen zu werden, wird Frankenstein von einem Erdbeben verschluckt. Das Handling der Oktopusattrappe - nicht in Dunkelheit, sondern bei vollem Licht - ist versiert, die Drähte der Marionette sind erstaunlich gut kaschiert, aber die Sequenz als solche wirkt nach Baragons Ende wie ein Antiklimax. Viele, die den Film gesehen haben, werden auch an eine Szene denken, in der ein ausgehungerter Baragon auf einem Bauernhof ein Pferd anfällt. Das Pferd ist eindeutig ein Kinderspielzeug und Nakano, der der Ansicht war, man solle doch besser ein echtes Pferd verwenden und Baragon in Split-Screen einkopieren, wurde von Tsuburaya belehrt, dass es mit einem Spielzeug doch viel netter aussehe. Dazu der Autor Bill Warren: In fast keinem japanischen Bildwerk wird der Versuch unternommen, nach westlichen Vorstellungen realistisch zu sein. Das ist einfach nicht das Ziel und sich über mangelnden Realismus in der japanischen Kunst zu mokieren ist unangebracht. Saperstein hegte nichts als Bewunderung für Tsuburaya: Das Wichtige an diesen Filmen und Steven Spielberg und George Lucas haben in mehreren Interviews zugegeben, dass das ihre Inspiration in Bezug auf Special Effects war, war das Werk von Tsuburaya. Von Rück- und Frontprojektion über Miniaturisierung bis zu den artikulierten Modellen - all das war Tsuburaya. Ich habe diesen Mann verehrt. Wie gern habe ich mich hingesetzt, ihm zugehört und zugesehen! Er hatte ein Atelier, dass eineinhalb Blocks lang war. Und wenn man hereinkam, sah man in Miniaturform - ganze Städte, Berge und Highways. Sogar die winzigen Verkehrsampeln funktionierten, die Autos fuhren und im Fluss floss das Wasser. Es war faszinierend, all das zu sehen. Der erste notabene, der die Frankenstein Kreatur gegen ein anderes Monster antreten ließ, war nicht Willis O´Brien, sondern der deutsche Emigrant Curt Siodmak, der in den vierziger Jahren häufig als Autor für Universals Gruselfilme arbeitete. Er schlug seinem Produzenten George Waggner einen Filmtitel FRANKENSTEIN MEETS THE WOLF MAN vor. Allerdings sollte das nur ein Scherz sein. Waggner nahm den Witz ernst und der Film wurde 1942 mit Bela Lugosi und Lon Chaney jr. realisiert.